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Port Valkenstein – Das Tor zu Engonien

Ein gewissenhafter Bericht des weisen Magister Aedificatus Johannes Greyser für Seiner Majestät Theodor II. Großherzoglichen Reichssenat

Mit großer Freude haben Wir, Magister Aedificatus Greyser, Vorsteher der Gilde der Baumeister zu Celestia, Euren Wunsch vernommen einen Bericht über den einstigen Brückenkopf der siegreichen Valkensteinschen Armeen im Lande Engoniens zu erhalten.

Aus diesem hehren Grunde, nahmen Wir, trotz Unseres hohen Alters das Wagnis auf Uns, die See zu befahren und in Port Valkenstein vor Anker zu gehen. Dort wurden Wir aufs Herzlichste von seiner Hochwohlgeboren, General Graf Thaddäus von Reichsfeld, dem Herrn der gleichnamigen Provinz empfangen.

Doch möget ihr edlen Herren mir gestatten, an dieser Stelle von einer Chronologie meiner Reise abzusehen und auf deren eigentliches Ziel, die Beschreibung des Zustands der neuesten, ruhmreichen Stadt unseres von Tormentor gesegneten Reiches zu kommen.

Wie Ihro Gnaden wissen, wurde Port Valkenstein im Jahre 257 n.J., engonischer Zeitrechnung, begründet. In diesem schicksalshaften Jahre, tobte eine gewaltige Schlacht in Andarra. Und als die vereinten Heere des Widerstands in der dortigen Provinz beinahe von den barbarischen Horden des Lupus verschlungen worden waren, rettete sie nur die schlussendliche Ankunft der mächtigen Flotte, die die Bucht von Timara in das Totenbett des Lupus Umbra verwandelte.

Schiffe aus aller Herren Länder waren zusammengekommen, den Feind der Zivilisation hinfort zu fegen; alle waren sie auf den Ruf eines Valkensteiner Hauptmanns hin erschienen, dort, neben den schwarzen Segeln unserer Großherzoglichen Marine wehten stolz die roten Segel Askalons, die dreigeteilte Flamme des Rings des Feuers und viele, viele Andere.

Nachdem die Kämpfe im Bereich der Bucht von Timara versiegt waren, mussten viele Kapitäne zu ihrem Bedauern erkennen, dass ihre Schiffe nicht länger hochseetüchtig waren, hatten sie doch alles gegeben, um die Küste Engoniens zu erreichen.

In all seiner Weisheit, nutzte der damalige General Thaddäus von Reichsfeld die Gunst der Stunde und überzeugte mit dem Geschick des erfahrenen Diplomaten und der Hilfe seiner Getreuen einen Großteil der Schiffsbesatzungen vor Ort zu bleiben, wenngleich auch nicht für immer, so jedoch für die Zeit des Krieges und der Errichtung des Brückenkopfes.

Die Einzelheiten der Stadtgründung wollen Wir Euch ersparen, doch sei gesagt, dass ein großer Teil der angeschlagenen Schiffe an Land gehievt und zerlegt wurde, welche dann den Grundstock der ersten Gebäude bildeten, die schon bald das einstige kleine Fischerdorf prägen sollten. Gebäude, die nicht viel mehr waren, als grobe Verhaue, die dem Schutz und der Befestigung dienten.

Im Laufe der nächsten vier Jahre, wir schreiben nun das Jahr 261 n.J., gemäß engonischer Zeitrechung, und vor allem aufgrund des Verlusts der Stadt Caer Conway, wurde dieser Brückenkopf, der am Platze der kürzesten Seeverbindung zwischen Engonien und dem Großherzogtum gelegen ist, zu dem wichtigen Umschlagplatz für kriegsnotwendige Waren im Osten des gefallenen Kaiserreichs. Selbst die von uns allen bereits jetzt aus Sagen bekannte Burg, die Nordfeste wurde von hier aus versorgt.

Verteidigt von den verbliebenen Schiffen der Allianzflotte die nicht zum Bau der Gebäude verwandt wurden und einem kleinen Kontingent von Hilfstruppen, trotze die aufblühende Stadt dem schrecklichen Bürgerkrieg, der im Osten, Süden und Westen um sie herum tobte. Mit der Verstärkung unserer Präsenz in Engonien und der verheißungsvollen Allianz mit Ihrer Majestät, der Caldrischen Imperatorin, sollte es unserem Reiche dann sogar vergönnt sein, einen Teil des mit dem Blute unserer Männer und Frauen erkauften Landes in Andarra unser eigen nennen zu dürfen.

Betraut mit der Aufgabe der weisen und gerechten Regierung, wurde der bereits erwähnte General Graf Thaddäus von Reichsfeld, dessen emsige Arbeit und persönlicher Einsatz die Stadt, die nun offiziell den Namen Port Valkenstein trägt, weiter florieren lässt.

Wie Uns zugetragen wurde, zog es auch einen Teil der zivilisierten Stämme Andarras, welche nicht mit den schändlichen und verbrecherischen Wilden der weiten Ebenen vergleichbar sind, in die Stadt, auf dass sie hier Unterkunft und Arbeit finden sollten.

Wenngleich Wir auch bemerken mussten, dass selbst diese zivilisierten Stämme, die sich uns angeschlossen haben eine große Furcht vor dem offenen Meer, den kein Valkensteiner nachvollziehen kann, hegen und sich somit nur die wahrhaft Mutigen und Verzweifelten vermehrt überwinden konnten ihrem Elend auf dem Lande zu entfliehen und in der Stadt zu leben.

Beständig herrscht ein buntes Treiben in dieser, der Hauptstadt, der V. Provinz des Reiches, dessen fortwährendem Bestand Wir uns verschrieben haben. Sollten Wir Uns ein Kommentar zur Anzahl der hiesigen Bevölkerung erlauben, so schätzen Wir sie auf etwa Viertausend an der Zahl, doch schwankt dies beständig ob des ständigen Zulaufs aus dem Landesinneren auf der Einen und der Lage am Wasser auf der Anderen.

Ganz im Sinne meines früheren Schülers, des Magister Minor Aedificatus Ilderstatt wurde bereits im Jahre 258 n.J., engonischer Zeitrechnung, mit der Anlage der Pricipiae Officium und des Praetoriums begonnen, so dass sich dem Reisenden Auge nun die gut befestigte Kaserne der Großherzoglichen Garde, die zugleich auch als Amtssitz des Barons genutzt wird, inmitten der Stadt, am zentralen Platze offenbart.

Das Officium Inquisitionis hingegen, wurde ein wenig außerhalb der Stadt, nördlich derselbigen angelegt. Im Volke Port Valkensteins hat sich ein gewisser, berüchtigter Ruf ob dieses dem Wohle des Volkes dienenden Hauses gebildet, den Wir als treuer und ehrenhafter Bürger unseres geliebten Reiches nicht nachvollziehen können. Auch hat sich ein Name des Officiums herausgebildet, dessen Herkunft mir leider verschlossen blieb: Der „Kielmannshof“. An diesem Gebäude, sofern Ihro Gnaden einem altgedienten Magister Aedificatus diese Anmerkung gestatten wollen, ist wahrlich interessant, dass es sich wohl um ein ehemaliges Kriegsschiff unserer höchst eigenen Marine handelt, das von den siegreichen Truppen nach der Schlacht nördlich der Stadt an Land geschleppt, aufgebockt und mit der verstreichenden Zeit zudem stetig ausgebaut wurde und dass nun zugleich Gefängnis und Hauptquartier des hiesigen Großinquisitors ist.

Eine wahre Augenweide ist wahrlich bereits jetzt der im Bau befindliche Tormentortempel, der, wie Wir mit eigenen Augen bestaunen durften, in einem Anbau sogar Schreine der Engonischen Götter Tior, Naduria und Alamar enthält. Was immer Ihro Gnaden auch von dieser Unsitte halten mögen, so sei Ihnen doch versichert, dass der Tempel schon bald denen in unserer geliebten Heimat in nichts nachstehen wird. Während wir also den Rohbau des Octogonturmes bestiegen, erhielten Wir einen guten Blick auf die Stadt und das Umland. Ein Anblick, den Ihro Gnaden gewiss ebenso wie Wir zu schätzen gewusst hätten.

Ausgehend vom zentralen Praetorium erstreckt sich ein Sammelsurium aus Gebäuden unterschiedlichster Machart, die jedoch alle noch mehr oder weniger improvisiert aussehen. Alle Gebäude mit Ausnahme des Tempels sind aus Holz und lassen noch an vielen Stellen die Schiffsteile erkennen, aus denen sie mit emsigen Händen gezimmert wurden. Lediglich die Fundamente einiger weniger Gebäude, vor allem die, welche Ihrer Majestät Institutionen beherbergen, wurden bereits mit Gestein aus den fernen Gebirgen ausgebessert.

Der einzige wirkliche Schutz der Stadt, sofern Wir dies dank unserer Zeit in der Garde beurteilen können, sind die drei in der Bucht fest vor Anker liegenden und befestigten Kriegsschiffe sowie ein steinerner Wall zur Landseite hin, der für den Geschmack des amtierenden Grafen, wie Uns dieser in einem persönlichem Gespräch versicherte, viel zu langsam erweitert wird.

Als Wir schließlich ob unseres gebrechlichen Alters die Rückreise in die nördliche Heimat antreten mussten, hatten Wir die Gelegenheit einen Blick auf die ununterbrochen im Bau befindlichen Hafenanlagen Port Valkensteins zu erhaschen, welche derzeit noch zum größten Teil aus hölzernen Kais und zu Pontons vertäuten Schiffsrümpfen bestehen, die als Ergänzung der langsam entstehenden Landungsbrücken genutzt werden.

Fürwahr, es sind schon tollkühne Kapitäne, die an diesen schwimmenden Kais ihre Waren löschen, doch entgegen aller Wahrscheinlichkeit, scheint es von diesen jungen Heißspornen genügend zu geben, wie mir schien.

So verbleiben Wir in demütiger Erwartung von Ihro Gnadens Antwort und hoffen inständig, dass Unser höchst ehrlicher Reisebericht einen Eindruck Port Valkensteins, der jüngsten Stadt unseres geliebten Reichs vermitteln konnte.

Hochachtungsvoll,

Magister Aedificatus Johannes Greyser


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