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Die Schlacht um Ahrnburg…

Der Norden…

 

Die Nacht war kühl und regnerisch. Ein kalter Windhauch umspielte die vielen kleinen Fischerboote und Barken, die hier in der geschützten Bucht vor Anker lagen. Weiter draußen brach sich das Meer in stürmischen Wogen und erzeugte dabei ein stetes Donnern, als würden die Götter selbst in schallendes Gelächter verfallen sein ob der kleinen Schar finster dreinblickender Krieger und Soldaten, die den Strand bevölkerten. Es mochten nicht viele sein an der Zahl, doch sah man jedem einzelnen an, dass sie Veteranen waren, Veteranen vieler Kriege und Schlachten, bereit dazu erneut die Waffe zu ziehen und den Feind zu lehren, was es heißt sich mit ihnen zu messen!

In der Mitte des Strandes war in den Überresten eines an Land gelaufenen Fischerbootes ein Kommandostand errichtet worden. Hier brüteten die Anführer der Nördlichen Front über ihren Karten, tranken die ein um andere Tasse eines schwarzen stechenden Gebräus, das ihnen Jelena hatte zukommen lassen und beratschlagten wie sie ihre Truppen am besten würden einsetzen können.

Da standen sie nun, umringt von Schreibern, Boten und Soldaten. Auf der einen, Oberst Sir Robert McManahugh in seiner geschwärzten Rüstung, das dreckverschmierte Gesicht ohne jede sichtbare Emotion. Ihm gegenüber stand Primus Bruder Khalva vom Orden der Zwei Monde, dessen Schlagadern zu bersten schienen ob der Aussicht auf die Schlacht, die schon bald bevorstand. Neben ihnen hatte Sir Richard of York Platz genommen, dessen ernste Miene deutlich machte, dass er sich an Begebenheiten erinnerte, die weit in seiner Vergangenheit lagen. Ihm gegenüber stand Captain Ninefingers über eine der Kriegskarten gebeugt, in die er scheinbar kryptische Symbole einzeichnete, während er zwischendrin immer wieder etwas von seiner Herrin murmelte. Plötzlich wurde das abgenutzte Segeltuch, das irgendjemand vor den geborstenen Rumpf des Schiffes gehangen hatte auf Seite geschlagen. Aus dem Augenwinkel sahen die Anwesenden noch die Gestalt Gerhardts, der ebenfalls in geschwärzter Rüstung den Zugang zum Kommandoposten bewachte. Dann erschien Sir Ralf von Krähenbroich und stapfte mit einem kurzen Gruß hinüber zu dem kleinen Stövchen, auf dem scheinbar unentwegt der von allen geschätzte Kessel vor sich hin kochte. Robert schien aus seiner Starre zu erwachen und blickte jeden einzelnen seiner Kameraden einen Moment lang an, als wollte er sich ihrer Gesichter für immer gewahr sein, dann begann er zu sprechen: „Nun, meine Freunde, wo wir nun alle ein letztes Mal gemeinsam hier versammelt sind, sollten wir unseren Schlachtplan noch einmal durchgehen! Wir werden in nicht ganz einer Stunde die Boote von Captain Ninefingers betreten, also ist Eile geboten! Richard! Du wirst dich mit deinen Bogenschützen im Abschnitt III. dem Naduria Strand einschiffen. Zwei meiner Sturmgrenadiereinheiten werden euch begleiten um euch eine möglichst sichere Passage in die Felsen zu ermöglichen! Eure Aufgabe ist es die Einfallstraße aus Richtung der Brücke unter allen Umständen zu halten! Aber ich denke wenn jemand weiß wie man Pilgerwege in Todeszonen verwandelt, dann bist du das! – Gut! Primus Bruder Khalva! Deine Leute werden sich zusammen mit meinen Grenadieren und Reichsgardisten am Hauptangriff beteiligen. Wir werden hier, im Abschnitt II, dem Tiors-Strand anlanden! Von dort aus werden wir unseren Angriff in möglichst direkter Linie auf Ahrnburg führen um die Jeldriken zu entsetzen. Unterstützt werden wir hierbei von den Reichsfelder Jägern, die in Abschnitt I. dem Alamar Strand an Land gehen werden und sich ebenfalls in direkter Linie auf Ahrnburg zubewegen. Wir müssen jedoch darauf achten, dass wir unsere Hauptangriffslinie soweit wie möglich westlich halten, um zu gewährleisten, dass wir, sobald die Jeldriken ausmarschieren, umschwenken und uns zur Brücke bewegen können. Ralf! Du wirst unseren Hauptangriff begleiten, dich aber weitestgehend aus den Kämpfen heraus halten! Komm mir jetzt nicht mit irgendwelchen Glaubensstatuten! Wenn wir die Feste erreicht haben, benötigen wir jemanden, der den Kontakt mit den Jeldriken herstellt und ihnen unsere Befehle übermittelt! Sobald wir also gen Brücke schwenken, wirst Du dich mit den Reichsfelder Jägern den Jeldriken zuwenden und ihnen klarmachen, dass sie umgehend in Richtung des Walls aufbrechen müssen! Sobald sich diese in Marsch gesetzt haben, wirst Du sie begleiten um Kontakt mit Simon und der Wallarmee herzustellen! Die Reichsfelder Jäger werden dann in Richtung der Brücke verlegen, die wir zu diesem Zeitpunkt hoffentlich bereits erreicht haben und uns wiederum entsetzen! Captain Ninefingers! Wenn wir uns in Richtung Nordstrand einschiffen will ich, dass die Boote mit den Yorkschen Bogenschützen auf unserer süd-westlichen Flanke segeln! Ich traue diesem Beobachtungsturm dort drüben nicht! Sollte sich auch nur das kleinste Zeichen von Lupus Röcken zeigen, werden die Bogenschützen diese unter Beschuss nehmen! Ich hoffe deine Schützen sind wirklich so gut, wie William immer behauptet Richard?! Die Köderboote sollen möglichst weitläufig zwischen unseren Schiffen segeln, damit der Feind diese nicht als solche ausmachen kann und hoffentlich einen guten Teil seiner Ressourcen auf diese verschwendet. – Soviel zu unserem Schlachtplan! Wenn niemand mehr etwas hinzuzufügen hat würde ich vorschlagen, dass wir uns zu unseren Männern begeben und sie einweisen! Möge der Segen der Götter mit uns sein! Auf den Sieg meine Herrschaften! Wegtreten!“

Kurze Zeit später verwandelte sich der Strand in eine einzige große Kaserne. Waibel brüllten Befehle umher, Gardisten überprüften den Bestand ihrer Ausrüstung und Ordenskrieger knieten zu einem letzten Gebet vor der Schlacht nieder. Alles war in Aufruhr, doch nach und nach ordneten sich die Formationen und bezogen Stellung an den ihnen zugewiesenen Strandabschnitten. Ein letztes Mal ging Robert den Strand entlang und besah sich die Armee, die er in die Schlacht führen würde. Dicht gefolgt von seinem Waibel und Adjutanten Gerhardt. Hier und da grüßte er einige alte Freunde und neue Bekannte, half dem ein oder anderen Gardisten dabei seine Ausrüstung richtig zu verstauen und scherzte mit den Reichsfelder Jägern über die Unverfrorenheit der Reichsgarde. Dann war es schließlich soweit, die Stunde 0 war gekommen. Gemeinsam mit Bruder Khalva und Sir Ralf betrat Robert als erster das Boot, dass sie zu einem ungewissen Schicksal segeln würde. Derweil erscholl der Strand von einer Vielzahl von Geräuschen. Männer und Frauen marschierten durch das brackige Wasser an Bord der Schiffe, Befehle wurden gebrüllt und Rüstungen schepperten, eingerahmt vom zunehmenden Knattern von Segeln, die eins nach dem anderen gehisst wurden.

Binnen kurzer Zeit segelte die kleine Armada aus Schifferbooten bereits aus dem Schutze der Bucht hinaus und stellte sich dem stürmischen Meer. Mittlerweile hatte sich der Regen weiter verstärkt und bereits nach wenigen Minuten auf See waren die Männer und Frauen der Invasionstruppen bis auf die Haut durchnässt. Viele bereuten bereits zu diesem Zeitpunkt, dass sie nicht auf ihr Frühstück hatten verzichten wollen, ein Umstand den sie nun sehr schnell nachholten. An Bord des Kommandoschiffs sah es auch nicht besser aus und selbst Robert hatte sich bereits mehrfach über die Reling gehangen. Er hasste die Seefahrt! Nur Captain Ninefingers schien seine wahre Freude an dem harten Seegang und dem prasselnden Regen zu haben, während er selbst am Steuerrad des Schiffes stand und dann und wann ein Liedchen pfiff. Nachdem er sich wieder einigermaßen gefasst hatte, gesellte sich Robert zu Ninefingers und starrte düsteren Blickes auf die in einiger Entfernung vorbeiziehende Küste. Er konnte nur hoffen, dass Simon und der Rest der Wallarmee zum Rechten Zeitpunkt den Angriff beginnen würden, so dass der Lupus sich zwischen den beiden Armeen würde aufspalten müssen. Doch letztlich vertraute er Simon in dieser Hinsicht voll und ganz. Plötzlich sah er an Land ein Licht aufblitzen, das kurz darauf auch bereits wieder verschwand, nur um dann erneut aufzuleuchten. Er deutete mit der behandschuhten Hand darauf: „Captain?! Ist dies der Turm von dem wir geredet haben?!“ Der Captain zog ein Fernglas aus einer Tasche seines weiten Mantels hervor und starrte einige Momente in diese Richtung, dann nickte er, einen Fluch auf den Lippen und reichte Robert das Fernglas. Auch er starrte nun hindurch in Richtung der Küste und fluchte ebenso farbenfroh wie der Captain kurz zuvor. Bei dem Turm handelte es sich um den auf den Karten eingezeichneten Leuchtturm, doch entgegen ihrer Annahme, war der Turm größtenteils zerstört worden. Das wirkliche Übel waren jedoch die drei blau-schwarzen Zelte, die direkt neben dem Turm errichtet worden waren. Es blieb ihnen keine Wahl, sie mussten handeln. „Gerhardt! Befehl an die Melder, die Yorkschen Boote sollen sofort sie Formation verlassen und soweit wie möglich an die Küste heran segeln! Die Besatzung des Turms sind Lupus Soldaten! Vernichtet sie!“ Nach einem kurzen Salutieren wandte Gerhardt sich um und gab die Befehle weiter. Sofort wendeten sich die Yorkschen Boote in Richtung Küste und hielten selbst dann noch Kurs, als eines der ihren an einer der vielen Klippen zerschellte. Nur zu gern hätte Robert eines der anderen Boote kehrt machen lassen um die Schiffbrüchigen zu retten, doch dafür blieb keine Zeit. Er hoffte nur, dass es nicht das Boot war, auf dem sich Richard befand. Er hob das Fernglas erneut an die Augen und sah, wie die Bogenschützen auf den schwankenden Planken Halt suchten um ihre Pfeile zielgenau abfeuern zu können. Noch hatten die Besatzer des Spähpostens nichts gemerkt, zumindest schien es, als wäre dort alles ruhig. Als sie näher herangekommen waren sah Robert plötzlich, warum dort alles ruhig war. Im Schein des lodernden Feuers hockten einige Dutzend Gestalten in blau-schwarzen Wappenröcken, die jedoch unnatürlich verkrümmt saßen. Neben ihnen standen mehrere Gestalten in dunkler, der Umgebung nachempfundener Kleidung, die gerade dabei waren eine blau-gelbe Standarte in der Mitte des Lagers zu entrollen. Im gleichen Moment pflügte auch schon der Tod durch ihre Reihen. Mit schreckgeweiteten Augen blickte Robert durch das Fernglas und sah wie Freund und Feind von den Pfeilen der Yorks niedergestreckt wurde. Einige hatten die erste Salve überlebt, doch wurden sie bereits von einer zweiten und schließlich von einer dritten Salve überrascht. Nichts auf dem kleinen Plateau konnte den Pfeilhagel überleben. Langsam senkte Robert das Fernglas und begleitet von einem seiner berühmten Wutanfälle zerschmetterte er einen Teil der hölzernen Reling vor ihm mit der bloßen Faust, bevor er ein kurzes Gebet zu Tormentor sprach. Dann wandte er sich ab: „Gerhardt! Die Yorkschen sollen zurück in die Formation segeln! Ich kann nur hoffen, dass das kein schlechtes Omen für unseren Kampf bedeutet!“

Eine weitere Stunde verging, in der sich die kleinen Boote durch die stürmischen Wogen des Alvasees kämpften. Robert hatte sich mittlerweile an den Feuertopf seines Schiffes gesellt und begann erneut damit seine Waffen mit einer Schicht aus Ruß und Dreck zu überziehen, genauso wie es ihn vor vielen vielen Jahren sein Oberst gelehrt hatte. Dann, als die erste Röte des nahenden Morgens über den Horizont kroch kam schließlich das Signal, auf das er gewartet hatte. Das vorderste Schiff der Flotte hatte ihren Landepunkt, den Nordstrand, erspäht. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht. Überall erhoben sich die Männer und Frauen von ihren Plätzen, versicherten sich ein letztes Mal dem Wohlwollen ihrer Götter und der Schärfe ihrer Klingen und machten sich kampfbereit. Robert stapfte eiligen Schrittes zu Ninefingers empor und entlieh sich erneut dessen Fernglas um ihr baldiges Schlachtfeld mit eigenen Augen zu sehen. Offenbar war der Lupus nicht untätig gewesen. Auf der gesamten Länge der Küstennahen Gewässer waren hölzerne Pfähle in den Grund getrieben worden und hier und da konnte er eiserne Ketten ausmachen, die zwischen den Pfählen aufgespannt worden waren. Auf den Anhöhen jenseits des Strandes konnte er in regelmäßigen Abständen mit Holz und Stein verstärkte Posten ausmachen, die ihnen einige Unannehmlichkeiten bereiten dürften. Der Strand selber war ebenfalls mit allerhand hölzernen Pfählen und Palisaden bestückt worden, neben denen sich wohl die ein oder andere böse Überraschung verbergen dürfte. Doch koste es was es wolle, sie mussten diesen Strand überwinden, wenn sie eine Hoffnung auf den Sieg haben wollten! „Gerhardt! Signal an die Flotte! Die Köderschiffe sollen die Formation aufbrechen und sich vor die eigentlichen Boote setzen um die Sperren zu sprengen! Jedes Schiff soll unter voller Fahrt auf den Strand auflaufen! Wir haben keine Zeit für eine sorgsame Landung! – Captain! Du hast es gehört! Volle Fahrt voraus, schauen wir mal, was diese kleinen Kähne alles aushalten!“

Nur Momente nachdem der Befehl gegeben worden war, scherten die Köderschiffe bereits aus der Formation aus und hielten mit voller Fahrt auf den Strand zu. Die meisten von ihnen zerbarsten noch lange bevor sie auch nur in die Nähe des Strandes gekommen waren, doch mit ihrem Opfer wiesen sie dem Rest der Flotte ihren Weg. Schon bald krachten die ersten Kiele auf den Strand und schoben sich mit der Gewalt des Windes im Rücken Meter um Meter vorwärts, bevor sie brachen und ihre kriegshungrige Fracht entließen. In allen drei Strandabschnitten hatte die Armee ihre Landung vollbracht und strömte nun in Richtung der Verteidiger. Nur im Abschnitt Alamar war die Landung zwischenzeitlich ins Stocken gekommen, als ein Großteil der Boote bereits ein gutes Stück vor der Küste an den Klippen und Barrikaden zerschellte. Den Göttern mag es gedankt sein, dass in diesen Booten jedoch die nur leicht gerüsteten Reichsfelder Jäger saßen, denn wäre dieses Schicksal den schweren Infanteristen der Zwei Monde oder der Reichsgarde im Abschnitt Tior zugestoßen, wäre die Schlacht wohl zu Ende gewesen, bevor sie noch begonnen hätte. Überrascht von der unerwarteten Sturmlandung ihrer Feinde gelang es dem Lupus nur mit Mühe eine Verteidigung aufzubauen und als sie diese dann endlich stehen hatten, sprangen bereits die ersten Angreifer der Widerstandsarmee in ihre Gräben und Stellungen. Was nun folgte war ein wahres Gemetzel. Meter um Meter kämpften sich die Truppen des Widerstands voran und trieben die Kämpfer des Lupus vor sich her. Nur gelegentlich kam der Ansturm ins Stocken, zumeist dann, wenn die in Dienst gepressten Bauern des Usurpators mehr Angst vor ihrem Waibel hatten, als vor dem Feind. Doch mit jedem getöteten Lupus schwanden diese Momente weiter und weiter.

Auch die Yorkschen im Abschnitt Naduria schlugen sich ihrem Rufe getreu und wo die Valkensteiner und Zwei Monde mit der brachialen Gewalt ihres Sturmangriffs den Feind zerschmetterten zwangen die grüngewandeten Bogenschützen den Lupus immer wieder in ihre überlappenden Feuerzonen die sich schon bald mit toten Feinden füllten. Daraufhin wandten sie sich unter Führung der Grenadiere in Richtung der Felsen, die sie einer nach dem anderen erklommen, bis sie schließlich die Positionen eingenommen hatten, von denen aus sie die tief unter ihnen liegende Straße mit ihren Pfeilen eindecken konnten. Richard besah sich die Umgebung und während er noch auf einem Stück Hartwurst herum kaute, entdeckte er das helle Aufblitzen von Rüstungen, die im morgendlichen Lichte aus Richtung der Brücke auf sie zumarschierten. Mit geübten Handgriffen verstaute er den Rest seines Proviants wieder in der Tasche und machte sich kampfbereit. Sollten die Bastarde nur kommen, dachte er, heute Abend werden wir bereits auf ihre Niederlage anstoßen. Hoffentlich hatte Jelena dem Tross noch einige ihrer berühmten Torten mitgegeben.

Derweil hatten auch die Reichsfelder Jäger den Strand überwunden und attackierten bereits einige Bauerngehöfte auf dem Weg nach Ahrnburg, die von den versprengten Truppen des Lupus gehalten wurden. Sie kamen gut voran, doch der Weg an den Strand hatte ihre Zahl gefährlich geschrumpft. Glücklicherweise schlossen immer wieder Nachzügler zu den kämpfenden Truppen auf, so dass ihre Offensive schon bald neuen Schwung bekam.

In der Mitte des Schlachtfeldes, im Tiorschen Sektor hatten die Truppen des Widerstands mittlerweile die Linie des Lupus durchbrochen und drängten weiter in Richtung Ahnrburgs. Robert marschierte mit Khalva und Gerhardt an vorderster Front und schien es sichtlich zu genießen endlich wieder im Getümmel der Schlacht zu stehen. Besser noch, endlich einmal mehr gemeinsam mit seinen Brüdern der Zwei Monde den Feind niederzustrecken!  Den Strand hatten sie genommen, doch das schwerste lag noch vor ihnen. Alle wussten, dass sie ein Gewaltmarsch in voller Rüstung erwarten würde, wenn sie den Hügel auf dem die Feste der Jeldriken steht rechtzeitig erreichen wollten. Die Zeit schien sich mehr und mehr zu dehnen, während sie über das Schlachtfeld marschierten und nur dann und wann noch auf hartnäckigen Widerstand trafen. Mittlerweile war es früher Mittag und vereinzelte Sonnenstrahlen durchdrangen den wolkenverhangenen Himmel als schließlich die Feste der Jeldriken in Sichtweite der Truppen kam. Thronend auf einem steil abfallenden Felsen ragte die Feste über der Stadt Ahrnburg empor und auch wenn sie überall die Spuren vergangener Kämpfe aufwies, wirkte sie dennoch ungeschlagen! Auf ihren Zinnen flatterten die Banner des Pegasus und an ihren rußgeschwärzten Mauern hingen die Überreste der Sturmtruppen des Usurpators, die es nicht in das Innere der Feste geschafft hatten. Das eigentliche Problem für die Truppen des Widerstands lag jedoch vor der Burg. Hier standen Reihe um Reihe schwarz-blauer Zelte, umgeben von einem hölzernen Wall hinter dem ein halbes Dutzend Belagerungsmaschinen aufgebaut waren. Robert schätzte die Zahl der Belagerer, denen ein solches Lager zu eigen war auf mehrere Hundert, Tross und Bedienmannschaften eingerechnet, doch wo waren sie alle?! Im Moment konnte er nur vereinzelt Bewegungen ausmachen, doch weder ertönte ein allgemeiner Alarm, noch wurden die Geschütze in ihre Richtung gedreht. Einen Moment hielt er inne und konzentrierte sich. In der Ferne, weit jenseits der Stadt vermeinte er Geräusche zu hören. Er war sich nicht sicher, ob dem wirklich so war doch im Zweifelsfall würde er einfach seinen Sinnen vertrauen.

Der Plan war aufgegangen! Der Lupus hatte den Großteil seiner Truppen in Richtung des Ahrnwalls verlegt, nachdem Simon und seine Armee diesen angegriffen hatten. Ein weiterer Teil der Truppen hatte ihnen bereits auf dem Weg zum Strand aufgelauert und war dort geschlagen worden. Der Rest, den es nun noch zu überwinden galt würde aus einer Kerntruppe bestehen, die den Jeldriken weismachen sollte, dass der Belagerungsring noch immer stand. Robert konnte ein Lächeln nicht unterdrücken und als er in die Gesichter seiner Mitstreiter sah, konnte er erkennen, dass auch sie die prekäre Lage des Lupus erfasst hatten. Doch auch wenn der Lupus hier nur noch aus einem oder zwei Regimentern bestand, so hatten sie doch die überlegene Position und jeder von ihnen wusste, dass schon weitaus zahlenmäßigere Armeen an einer solchen zerbrochen waren. Als er sich jedoch die blutüberströmten Männer und Frauen um sich herum besah, wurde Robert schnell klar, dass es ihr Kampfeswille sein würde, der sie hier zum Sieg führt. So hob er seinen mächtigen Streithammer in die Höhe und stürmte mit einem Fluch auf den Lippen, der die Priesterschaft erbleichen lassen würde, los, dicht gefolgt von Bruder Khalva, der sich ohnehin kaum mehr im Zaum halten ließ und seinem Getreuen Adjutanten Gerhardt. Die ganze Armee schien den Ausbruch ihres Kommandanten widerzuspiegeln und mit einem Tosen, als wären die Tore der Niederhöllen geborsten setzte sich die Armee in Bewegung, erst langsam, dann immer schneller, bis sie einer gepanzerten Welle gleich in die Verteidigungsanlagen des Lupus brandete. Aus dem Augenwinkel konnte Robert sehen, wie einer, zwei, drei seiner Kameraden von den Bogenschützen am Belagerungsring niedergestreckt wurden, wie sie von Pfeilen übersät zusammenbrachen, doch dann übernahmen seine Instinkte vollends die Oberhand und vor seinen Augen verschwamm die Welt in einer Mischung aus Blut, Kampf und Tod. Gemeinsam pflügten die Truppen des Widerstands durch die Reihen des Feindes und nichts und niemand konnte ihnen widerstehen. Sie trieben den Lupus weiter in Richtung Osten, wo dieser hoffte bald Unterstützung durch die Truppen des Walls zu erhalten, doch dort warteten bereits die Reichsfelder Jäger auf sie, die sie mit einem Gruß von ihren gefallenen Kameraden zu Tior schickten. Die Schlacht tobe nur kurze Zeit und doch kam es den Beteiligten wie eine Ewigkeit vor. Irgendwann gelang es auch Robert wieder seiner Raserei Herr zu werden, dank seines treuen Adjutanten Gerhardt, der ihn einmal mehr daran erinnerte, dass ihm die Pflichten des Kommandeurs oblagen. So sammelte er seine verbliebenen Männer und führte sie weiter in Richtung der Feste, einen Keil in den Wall treibend, auf dass die Jeldriken auszurücken vermochten. Einige weitere harte Kämpfe folgten, doch schließlich gelang es ihnen den Wall an drei Stellen zu brechen. An der mittleren Bresche rief Robert schließlich Ralf zu sich und ließ von seinen Leuten das Banner des Großherzogs entrollen auf das die Jeldriken dies als Zeichen ihrer Verbündeten des Widerstands erkennen würden! Und während die Kämpfe auf dem Wall weiter tobten, erscholl plötzlich Jubel von Seiten der Feste. Fanfaren ertönten und mehr und mehr Ordensmänner in den blau-gelben Wappenröcken der Jeldriken säumten die Mauern. Ihre ausgehungerten Gesichter voller Erwartung und Freude. Nur Momente später fiel die Zugbrücke mit einem einzigen lauten Krachen herunter und die Tore der Feste öffneten sich. Eine Schar Ritter, dreißig an der Zahl, galoppierten aus der Feste heraus, dicht gefolgt von leidgezeichneten Landsknechten und ausgemergelten Infanteristen, begierig darauf, dem Lupus die Schrecken heimzahlen zu können, die seine Soldaten ihnen zugefügt hatten. Als sie näher kamen erkannte Robert die Helmzier eines Ritters der direkt auf ihn zuhielt. Leonhard von Falkenheim, sein alter Freund und Weggefährte! Dieser zügelte sein Pferd nur wenige Meter vor ihm und beinahe hätte Gerhardt selbigem den Todesstoß verpasst, doch glücklicherweise gebot ihm Robert rechtzeitig Einhalt. „Leonhard! Hier an meiner Seite steht Ralf von Krähenbroich! Nimm ihn mit und führe ihn zu eurem Kommandanten! Ihr müsst eure Truppen sofort in Richtung des Ahrnwalls verlegen! Simon de Bourvis führt einen zweiten Angriff gegen den Wall und er braucht eure Unterstützung! Nur dann können wir den Lupus zwischen uns zerquetschen! Wir werden weiter in Richtung Westen zur Brücke marschieren!“ Leonhard wollte etwas erwidern, doch Roberts steinernes Gesicht überzeugte ihn, schnell zu handeln. So hievten sie Ralf ebenfalls auf Leonhards Pferd und beide galoppierten schnellstmöglich in Richtung ihres Ordensmeisters! Robert schaute ihnen nur kurz hinterher und gab nach einem weitschweifigen Blick über das Schlachtfeld den Befehl zum Sammeln.

Derweil hatten die Truppen des Lupus Umbra drei Mal versucht die Brücke zu überqueren, doch nur ein einziges Mal war es ihnen gelungen kurzzeitig auf der anderen Seite Fuß zu fassen. Die Yorkschen Bogenschützen hielten was sie versprochen hatten und selbst Richard musste sich eingestehen, dass er seinen Leuten einen Bonus zahlen sollte. Glücklicherweise war er selbst auch dabei, so dass er sich den gleichen Zuschlag auch zahlen würde. Ein weiteres Mal versuchte der Lupus die Brücke unter dem Schutze großer hölzerner Schilde zu nehmen, die eigentlich dem Zwecke der Belagerung dienen sollten. Dieses Mal würde es also nicht ausreichen den Feind nur mit Bögen niederzuhalten. Sei es drum, dachte Richard und stülpte sich den schweren Helm über, bevor er seinen Männern mit einem lauten „Omnia!!“ den Angriff befahl. Seine Männer griffen den Ruf auf, noch während sie den Felsen hinab stürmten und die Worte „pro nobis“ wurden von seinen Leuten um ein Vielfaches seiner eigenen Stimmgewalt verstärkt. Weitergetragen von den kargen Felsen klang es wie ein Chor aus Hunderten von Kehlen die mit einer einzigen Stimme riefen. Der anrückende Schildwall des Lupus stockte für den Bruchteil eines Augenblicks in seiner Bewegung, doch sogleich drangen aus ihren Reihen unerbittlich gebellte Befehle und das Knallen einer Peitsche an Richards Ohr, kurz bevor der Schildwall seinen Weg über die Brücke fortsetzte. Gemeinsam mit einer Handvoll Grenadiere und einigen Infanteristen erreichten sie schließlich die Reihen des Feindes. Dieser hatte ihren Angriff erwartet, doch eingekeilt zwischen dem Fluss, den Bogenschützen und den heranstürmenden Infanteristen suchten sie schon bald ihr Heil in der Flucht. Viele von ihnen kamen nicht einmal mehr bis zur Brücke, als sie von Pfeilen durchlöchert zu Boden gingen. Doch auch das Schwert des York sollten seinen gerechten Anteil am Blutzoll erhalten.

Vor der Feste der Jeldriken herrschte indessen Hochstimmung. Während die Überlebenden der Widerstandstruppen sich sammelten und bereits Schwärme von Krähen und anderen Aasfressern über ihnen ihre Runden drehten, liefen Reihe um Reihe von Leuten aus der Feste, wie auch aus der nahen Stadt heraus und hießen sie als Befreier willkommen. Früchte und Brot wurden zu ihnen getragen und Krüge mit Wasser machten die Runde. Doch die Freude sollte nur kurz sein, denn nachdem sich die Truppen gesammelt hatten, gab Robert den Befehl im Eilmarsch weiter nach Westen zu eilen um die lebenswichtige Brücke zu halten und Richard zu entsetzen. Es dauerte beinahe eine Stunde bis die Brücke in Sicht kam und mittlerweile vermisste Robert ein gutes Drittel seiner Männer. Manche mochten bereits den ehrenhaften Tod auf dem Schlachtfeld gefunden haben, andere mochten in den Händen der Heilerschaft des Jeldrikenordens zurückgeblieben sein. Später, nach der Schlacht, würde er sich ihrer annehmen und herausfinden wo jeder einzelne verblieben war, doch jetzt ging es nur darum diese Brücke zu halten.

Richard schlug mittlerweile den achten Sturmangriff des Lupus mit seiner kleinen Schar zurück. Sein Schwertarm wurde schwerer und schwerer und sein Schädel dröhnte noch immer von dem Schlag eines Streitkolbens, den er nur mit dem Segen der Götter überlebt hatte. Auch seine Leute wurden zunehmend erschöpfter und langsam aber sicher gingen ihnen die Pfeile aus. Mehr als einen oder zwei weitere Angriffe des Lupus würden sie nicht mehr abwehren können. Aus irgendeinem Grund kam ihm das wunderschöne Gesicht der jungen Marketenderin in den Sinn die ihn vor einigen Stunden noch verwöhnt hatte, während er hier in all dem Blut und Gemetzel stand. Aber wieso auch nicht, sollten dies schon seine letzten Momente sein, würde er wenigstens mit einem Grinsen im Gesicht vor seinen Schöpfer treten. „Deus lovult!“, brüllte er aus vollem Herzen und schon stimmten seine Schützen und selbst die Grenadiere mit ein, als er sich dem Feind entgegenwarf. Ein weiterer Kampf entbrannte, doch plötzlich wendete der Lupus sich ab und gab Fersengeld, als wäre ihnen Szivar persönlich erschienen! Richard dreht sich um und war sich selbst nicht ganz sicher, ob sich nicht doch die Tore der Hölle geöffnet hatten und eine Horde Dämonen von all dem Blut und Tod angezogen das Schlachtfeld erstürmte, doch während er sich noch bekreuzigte hörte er bereits die Jubelschreie der weiter hinten stationierten Schützen und erkannte, dass es sich bei den Neuankömmlingen um niemand anderen handelte, als um seine Verbündeten. Blutüberströmt und mit den Überresten ihrer kampfgezeichneten Rüstungen wirkten sie mehr wie ein Horde blutrünstiger Barbaren, deren Gesichter von Wut und Entbehrung gezeichnet, doch nichtsdestotrotz voller Stolz waren. Dann erreichte Robert seinen Bruder und ließ sich über die Situation informieren. Kurz darauf gruppierten sich die nunmehr in der Verteidigung befindlichen Truppen neu und bildeten einen gepanzerten Wall, der die gesamte Brücke blockierte, gedeckt von den Resten der Yorkschen Bogenschützen würde der Lupus einen hohen Preis bezahlen müssen, sollte er ein weiteres Mal versuchen die Brücke zu nehmen. Aber der Lupus war noch nie für seine strategische Raffinesse bekannt oder dafür, das Leben seiner Leute wertzuschätzen. Und so sollte es noch ein langer Tag werden, bis das die Kämpfe gänzlich verebbten.

Als die letzten Sonnenstrahlen des Tages den Himmel in ein blutrotes Licht tauchten, war die Brücke noch immer in der Hand des Widerstands. Weitere fünfzehn Angriffe hatte der Lupus gegen die Verteidiger geführt und auch wenn auf jeden toten Widerständler ungezählte Lupus kamen, wog ihr Verlust doch schwerer und schwerer. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit, als die Truppen des Widerstands auf die Hälfte ihrer einstigen Zahl zusammengeschrumpft waren, hörten sie in ihrem Rücken plötzlich Tumult und nur kurze Zeit später konnten sie eine Staubwolke erkennen die sich ihnen schnell näherte. Erneut wappneten sich die müden Soldaten für ihr wohlmöglich letztes Gefecht. Auf Befehl ihres Kommandanten bildeten sie ein Karree vor der Brücke, die Schwerter und Schilde einem jeden Feind entgegengestreckt, gleich von welcher Richtung er auch angreifen mochte. Dann plötzlich brach Jubel in den Reihen des Karrees aus und schon kurz darauf erkannte auch Robert mit seinen blutverkrusteten Augen die Standarte der fünf Götter im Schein zweier großer Fackeln, die den nahenden Reitern voran galoppierte. Simon der alte Teufelskerl hatte es also doch geschafft! Müde, doch mit einem Grinsen im Gesicht, nickte Robert seinem Bruder Richard zu, als er aus dem Augenwinkel hinter ihnen auf der Brücke etwas wahrnahm. Im Schatten der Dunkelheit hatte der Lupus seinen letzten Angriff begonnen. Wenn der Widerstand die Brücke besetzen würde, konnte es ihm gelingen, weiter nach Engonia zu marschieren. Also würde der Lupus die Brücke lieber zerstören, als sie in die Hände des Feindes fallen zu lassen. Dieses Mal würden sie nicht versuchen die Brücke mit Soldaten zu überqueren. Vielmehr schoben vier dunkel gekleidete Feinde einen mit Fässern und Tonkrügen beladenen Wagen auf die Brücke zu, auf dessen Koppel noch das Wappen eines Breganischen Handelshauses eingraviert war. Ohne groß nachzudenken, rannte Robert los, stieß Richard und einige unglückliche Soldaten auf Seite und stürmte über die Brücke. Die Soldaten des Karrees schauten noch erstaunt ihrem Kommandanten hinterher, als auch sie den Karren entdeckten. Sofort legten die Bogenschützen ihre Pfeile auf die Sehne, doch konnten sie in der Dunkelheit nicht genau erkennen was vor sich ging. Wenige Momente später erscholl ein lautes Donnern von jenseits der Brücke und ein Feuerregen regnete um sie herum ins Wasser. Die Druckwelle war so stark, dass diejenigen, die ihrem Kommandanten auf die Brücke gefolgt waren von den Füßen gerissen wurden. Sofort eilten weitere Soldaten herbei und folgten Gerhardt und Richard zum jenseitigen Ufer. Dort angekommen mussten sie ihre Augen bedecken, um nicht von den überall um sie herum lodernden Flammen geblendet zu werden. Inmitten des Chaos lagen die Überreste eines brennenden Wagens umringt von Leichenteilen. Schockiert sahen sich die Soldaten um und nur dem scharfen Auge Gerhardts war es zu verdanken, dass sie ihren schwer verwundeten Kommandanten im Schatten der Brücke liegen sahen. Schwer hob und senkte sich seine Brust, während er leise murmelte: „Hegen wird nicht als erster in Engonia sein! Die Brücke ist unser und wenn ich drauf gehe, soll Kassandra mich mitnehmen! Sie weiß Bescheid…“