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Die Brücke von Ahrnburg…

Richard of Yorks Tagebuch…

Die Nacht war kurz und die Anspannung der bevorstehenden Schlacht liess ihn trotz seiner Kampferfahrung nicht unberührt. Er saß nur mit seiner Hose bekleidet auf dem Rand seines Lagers. Den Kopf in beide Hände gestützt. Seine Gedanken waren leer. So wie es immer war vor dem Kampf.

Er stand auf und gürtete sich für die Stunden, die kommen würden. Stunden der Ungewissheit, Stunden der Angst, Stunden der Schwäche und Stunden der Hoffnung. Deus lo vult klang es in seinem Kopf.

Richard ging zu seinem Stapel aus Kleidung und Rüstung und begann sich anzukleiden. Dabei zitierte er aus seinem Stundenbuch folgende Verse:

Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern deinem Namen sei Ehre, lass uns zu dem Schild des Glaubens werden, Gib uns die Macht in Deinem Namen das Unrecht der Welt zu vernichten. Leite mein Schwert geführt durch deinen Willen. Lass mich die Unschuldigen erkennen und die Wölfe im Schafspelz sollen mir offenbart werden durch deine Herrlichkeit. Ich bin dein Diener, dein Pflug, der die Furchen zieht für das Saatgut auf deinem Himmelsacker. Nimm auf die Unseligen und zeige Ihnen dein Größe o Herr.

Beim letzten Wort zog er den Gürtelknoten fest und war gerüstet. Alles andere nötige für die Landung war bereits an Bord des Schiffes auf welchem er reisen würde.

Er trat aus dem Zelt und machte sich auf den Weg zu Robert. Eine steife Brise, die den Duft des Meeres trug wehte ihm ins Gesicht. Es fing leicht an zu regnen.

Der erfrischende Duft von Jelenas Breganer Kaffee stieg ihm in die Nase und noch bevor er sich gesetzt hatte war der Becher bereits geleert.

Er nickte Robert zu und lauschte seinen Ausführungen zur Landung. Nachdem Robert auf den für ihn wichtigen Teil zu sprechen kam versicherte Richard seinem Waffenbruder das er wußte was zu tun war. Kein Lupus Umbra Soldat würde versuchen die Strasse zu benutzen nachdem er gesehen hat wozu seine Männer mit einem Pfeil fähig waren. Er hatte die zielsichersten Bögenschützen seiner Garde mitgenommen und zusammen waren sie wie ein Schwarm zorniger Wespen.

Nach der Besprechung eilte Richard zu seinen Leuten und wartete auf die ihm zugeteilten Grenadiere. Er liess sie alle um sich versammeln um jedem einzelnen von ihnen in die Augen zu sehen. Dann erhob er seine Stimme, laut und klar, so dass alle ihm gebannt zuhörten.

„Wir stehen hier und einige von Euch werden morgen nicht mehr unter uns sein. Doch ich sage Euch, vertraut auf Euren Glauben. Er schützt Euch wie ein Schild. Er schützt vor den Schwertstreichen des Feindes. Haltet ihn fest und euer Glaube wird Euch helfen gegen die bösen Mächte des Feindes. Denkt an die Frauen und Kinder und die tapferen Männer die in Ahrnburg ausharren. Laßt ihre Opfer nicht umsonst gewesen sein. Denn wenn Eure Familien in Not sind werden sie kommen und Euch helfen. Kämpft nicht für mich sondern kämpft für die Freiheit dieser Bürger! Als ob ihr selbst gefangen seid in dieser Stadt. Lehrt diesen Hauptleuten der Lumpen von Umbra das ein Yorkischer Pfeil und ein valkensteinsches Schwert nur schwer zu brechen sind. Für jeden der getöteten Hauptmann des Lumpus Umbra spendiere ich ein Fass Met für unsere gemeinsame Feier in Ahrnburg!! Für die Freiheit von Ahrnburg .Omnia pro nobis !! Omnia Pro nobis!! Omnia Pro nobis!!!“

Das pro nobis erscholl aus jeder yorkschen Kehle. Beim Dritten mal schlossen sich die Grenadiere dem Ausruf an und alle eilten zu den ihnen zugeteilten Booten.

Richard sah Robert in der Ferne und winkte ihm zu bevor er sein Schiff bestieg. Er hatte ein mulmiges Gefühl bei diesem Gruß doch schob er es auf die Anspannung vor dem Sturm. Die Reise begann.

Die See kochte und viele der Valkensteiner hingen über der Reling. Richard stand neben dem Kapitän, hielt einen Becher aus dem es nach Ingwer roch in der Hand und glich ohne weitere Mühe den schweren Seegang mit seinen Bewegungen aus. Im Grunde war die Seefahrt fast genauso wie der Ritt auf einem rohen Pferd. Seine Leute kannten die Seefahrt, so wie er selbst und nur einigen wenigen wurde schlecht. Ein Glück dass alle seine Männer zum Frühstück ihren Ingwertee getrunken hatten. Sofort ließ er einen Tee aus der Ingwerwurzel aufbrühen und siehe da die Valkensteiner Grenadiere sahen bald wider halbwegs normal aus. Sobald er mit dem Schiff reiste hatter er immer genug davon im Vorrat.

Die Kapitäne der Landungsflotte waren die besten Seemänner, die er bis jetzt in Aktion gesehen hatte. Ninefingers hatte nicht zu viel Versprochen. Trotz der Unbill der schweren See und des trüben Regenwetters kamen sie gut voran. Aus dem Dunkel des Morgengrauens und des Regenschleiers blitzte plötzlich ein Licht auf, das kurz darauf auch bereits wieder verschwand, nur um dann erneut aufzuleuchten.

Richards Blick wendete sich von dem Licht ab und er beobachtete das Flaggschiff der Flotte auf dem Robert sich aufhielt. Es dauerte nicht lange. Das vereinbarte Signal leuchtete kurz auf und die drei Schiffe hielten auf die Küste zu. Eines seiner Schiffe war sehr schnell und hatte einige Schiffslängen Vorsprung. Ein Ruck ging durch das erste Schiff und kurz darauf zerbarst es an einer Klippe, die bei dem Seegang nicht zu sehen war. Sofort bellte der Kaptiän von Richards Schiff seine Befehle an die Crew und die beiden übrigen Schiffe legten sich zur Seite und wichen dem Hindernis aus. In einiger Entfernung sah er seine Männer in der tosenden See. Sie waren auf sich alleine gestellt. Die Grenadiere hatten nur wenig Chancen ihre Rüstungen waren schwer. Er hoffte, dass einige sich bis zur Küste retten konnten. Sie kannten die Gefahr und wussten was zu tun war.

Doch nun galt es wie vereinbart diesen Lumpen das Licht auszublasen. Die Klippe ragte steil empor und Richard konnte nicht sehen was auf der Kuppe vor sich ging.  Wie besprochen legte jeder seiner Schützen zwei Pfeile auf die Sehne. Ein Regen aus Pfeilen sollte die Fläche bedecken wie der Regen der sie alle durchnäßte. Die erste Salve schoss gen Himmel, kurz darauf gefolgt von der zweiten und dritten. Dies sollte genügen, aber sicher ist sicher. Er ließ die vierte Salve vorbereiten, da kam auch schon das Zeichen das sie wieder zurück zur Hauptflotte sollten.

Eine weitere Stunde verging auf dem Weg zum Strand. Richard betete für die Seelen derer die das Unglück nicht überlebt hatten und ging nochmal die Order der Schlacht in Gedanken durch. Der Regen ließ ein wenig nach und die Sonne versuchte durch die Wolken zu brechen.

Die Landung verlief schwierig denn der Lupus Umbra hatte den Strand mit Sperren versehen, die etliche Schiffe aufhielten und versenkten. Doch dank der Köderboote gab es bald eine Schneise, in der die anderen Schiffe unbeschadet an den Strand gelangten.Eine Flut an Soldaten ergoß sich aus den gestrandeten Booten.

Die Bogenschützen sandten wie an der Klippe Salve um Salve in die Stellungen und Gräben der Verteidiger. Als die ersten der Pilgertruppen die Stellungen erreichten machten sich die Schützen und Grenadiere mit Richard auf den Weg zu der Felsenanhöhe. Den Schild auf seinem Rücken den Helm unterm Arm kaute Richard auf seinem zweiten Frühstück einer Hartwurst herum und folgte dem Trupp Grenadiere in Richtung Felsen. Auf dem Weg zogen die Schützen ihre verschossenen Pfeile aus dem Sand und den Toten. Ein yorkischer Pfeil tötet mehrfach!

Unter Führung der Genadiere erreichten sie einer nach dem anderen den Feslen bis sie schließlich die Positionen eingenommen hatten, von denen aus sie die tief unter ihnen liegende Straße mit ihren Pfeilen eindecken konnten. Richard besah sich die Umgebung und während er noch auf einem Stück Hartwurst herum kaute, entdeckte er das helle Aufblitzen von Rüstungen, die im morgendlichen Lichte aus Richtung der Brücke auf sie zumarschierten. Mit geübten Handgriffen verstaute er den Rest seines Proviants wieder in der Tasche und machte sich kampfbereit. Sollten die Bastarde nur kommen, dachte er, heute Abend werden wir bereits auf ihre Niederlage anstoßen. Hoffentlich hatte Jelena dem Tross noch einige ihrer berühmten Torten mitgegeben.

Wieder erscholl die Stimme Richards laut und deutlich  hoch über den Köpfen der Feinde: „Mein Name ist Richard von York Ergebt Euch oder ihr werdet hier alle den Tod finden. Dies ist meine Strasse!!! Geht und lebt oder bleibt und sterbt!“

Der Tross aus Rüstungen verharte kurz doch kam keine Antwort. Der Stahlwurm setzte sich wieder in Bewegung und mit nur kurzen knappen Befehlen verwandelte sich der Zug in eine Schlachtordnung. Richard gab den Befehl zum Angriff.

„Omnia!!!“ schrie er und alle Soldaten antworteten aus Leibeskräften „PRO NOBIS!“ Ein Regen aus Stacheln begannn, der die Reihen der Angreifer lichtete.

Die dritte Welle des Lupus Umbra versuchte die Brücke zu überqueren,

und beinahe war es ihnen gelungen auf der anderen Seite Fuß zu fassen.

Dann aber zogen sie sich zurück, doch schienen sie nicht gebrochen in ihrem Kampfeswillen.

Ein viertes Mal versuchte der Lupus die Brücke zu nehmen, dieses Mal unter dem Schutze großer hölzerner Schilde, die eigentlich dem Zwecke der Belagerung dienen sollten. Dieses Mal würde es also nicht ausreichen den Feind nur mit Bögen niederzuhalten. Sei es drum!

Richard stülpte sich den schweren Topfhelm über nahm seinen Schild auf den das yorkschen Wappen gemalt war und befahl mit gezogenem Schwert den Angriff. „Omnia“ erscholl es wieder und ein gewaltiges „Pro nobis“ folgte. Eine Handvoll Grenadiere und seine Männer stürmten den Hang herab und ein grüner weiß schwarzer Fluch Gottes traff die Feinde wie ein brennendes Geschoss eines Trebuchet.

Die Wucht des Angriffs ließ die Reihen des Lupus Umbra erschüttern. Doch die stetigen Wellen und Kämpfe forderten bald ihren Tribut. Viele Kämpfer des Trupps waren verwundet oder getötet.

Ein Streitkolben traf seinen Helm. Einem Glockenschlag gleich dröhnte sein Kopf. Nur mit Mühe schaffte er es sich rechtzeitig zu verteidigen und dem Angreifer herzhaft und voller Elan seinen Stiefel zwischen die Beine zu rammen als dieser zum zweiten Schlag über den Kopf ausholte. Der Gegner sackte zusammen und Richard rammte ihm sein Schwert durch den Leib. Ein weiterer Pulk getriebener Soldaten des Lupus Umbra zog auf und es würde der letzte Angriff sein, dem seine Männer und er widerstehen würden.

Kurz erschien in seinem Geiste das Anlitz der Novizin Nedras. Er dachte an sein Versprechen sie in Ahrnburg wiederzusehen. Ihre leuchtenden gelbgoldenen Haare, wie der Kranz der Sonne so schön und  so glänzend. Ihre Augen, so blau wie ein dunkler Saphir und so tief und unergründlich wie die wogende See. Mit diesem Bild vor Augen sammelte er seine restlichen Kräfte und mit einem lautstarken „Deus“ und der Antwort aller überlebenden Yorks und Grenadiere „lo vult“ stürmten sie den Angreifern entgegen….

„Der Pfad der Gerechten ist zu beiden Seiten gesäumt mit den Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer. Gesegnet sei der, der im Namen der Barmherzigkeit und des guten Willens die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit geleitet. Denn er ist der wahre Hüter seines Bruders und der Retter der verlorenen Kinder. Ich will große Rachetaten an denen vollführen, die da versuchen meine Brüder zu vergiften und zu vernichten; Und mit Grimm werde ich sie strafen, so dass sie erfahren sollen: Ich sei der Herr, wenn ich meine Rache an ihnen vollstreckt habe.“

Die Stimme Richards drang gedämpft unter seinem Helm hervor als er Gegner für Gegner bekämpfte. Jeder Schwertstreich jeder Schlag mit dem Schild wurde untermalt von den mit Hoffnung und Zorn erfüllten Worten. Die Feinde im Weg Richards wichen unter seinen Schlägen zurück und viele verloren ihr Leben in der Wut der Worte und Schwertstreiche. Ein Sonnenstrahl der einen Weg durch die Wolkendecke fand traf Richard. Er beleuchtete ihn wie einen Fingerzeig der Götter. Es schien so als leuchte Richard von innen heraus. Alle Truppen gewannen neue Zuversicht und trotz ihrer Erschöpfung beflügelte sie der Anblick und so hielten sie durch.

Plötzliche Jubelschreie der weiter hinten stationierten Schützen ertönten und Richard erkannte eine weitere Streitmacht, die auf sie zu hielt. Erst nachdem er das Blut aus den brennenden Augen geblinzelt hatte sah er, dass es sich bei den Neuankömmlingen um niemand anderen handelte, als um seine Verbündeten…